Die Landesarbeitsgemeinschaft Freiwilligendienste Mecklenburg-Vorpommern (LAG Freiwilligendienste M‑V) ist der Zusammenschluss der Träger von Freiwilligendiensten im Land. Sie vertritt die gemeinsamen fachlichen und politischen Anliegen der Freiwilligendienste gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit auf Landesebene.
Ziel der LAG ist es, die Qualität, Zugänglichkeit und Weiterentwicklung der Freiwilligendienste in Mecklenburg-Vorpommern zu sichern und zu stärken. Sie versteht sich als fachpolitische Ansprechpartnerin für Fragen rund um Freiwilligendienste und bringt die Perspektiven von Trägern, Einsatzstellen und Freiwilligen in politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse ein.
Selbstverständnis der Freiwilligendienste
Freiwilligendienste sind gesetzlich geregelte Bildungs- und Orientierungsdienste für junge Menschen. Sie beruhen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und sind weder Pflichtdienste noch arbeitsmarktpolitische Instrumente.
Freiwilligendienstleistende engagieren sich zeitlich befristet in sozialen, kulturellen, ökologischen oder bildungsbezogenen Einsatzfeldern. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeitsentwicklung, gesellschaftliche Orientierung, demokratische Bildung sowie die Förderung langfristigen freiwilligen Engagements.
Freiwilligendienste werden in zivilgesellschaftlichen Trägerstrukturen umgesetzt und durch verbindliche Qualitätsstandards getragen. Dazu gehören insbesondere eine qualifizierte pädagogische Begleitung, Bildungsangebote sowie Mitbestimmungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für die Freiwilligen. Sie leisten einen eigenständigen Beitrag zur demokratischen Gesellschaft und eröffnen jungen Menschen chancengerechte Zugänge zu Engagement, Teilhabe und Verantwortung – unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund.
Situation und Bedeutung in Mecklenburg-Vorpommern
Freiwilligendienste leisten in Mecklenburg-Vorpommern einen unverzichtbaren Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. In sozialen, kulturellen, ökologischen und bildungsbezogenen Einsatzfeldern unterstützen knapp 1300 Freiwillige pro Jahrgang Einrichtungen, die insbesondere in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern mit strukturellen Belastungen konfrontiert sind.
Für (junge) Menschen bieten Freiwilligendienste Orientierung, persönliche Entwicklung, Demokratieerfahrung und Zugänge zu gesellschaftlicher Mitverantwortung. Für Einsatzstellen bedeuten sie Entlastung, Innovation und wichtige Impulse für die Nachwuchsgewinnung. Gleichzeitig stehen Träger und Einsatzstellen im Land unter erheblichem Druck: Steigende Personal- und Sachkosten, begrenzte Platzkapazitäten sowie seit Jahren nicht angepasste Förderstrukturen gefährden zunehmend Zugang und Qualität der Freiwilligendienste.
Vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen, des Fachkräftemangels und angespannter kommunaler Haushalte ist die Sicherung und der Ausbau der Freiwilligendienste in Mecklenburg-Vorpommern keine nachgeordnete Aufgabe, sondern ein zentrales Element nachhaltiger Landes- und Gesellschaftspolitik.
Unsere Forderungen: Stärkung und Absicherung
Um den steigenden gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden und die Freiwilligendienste dauerhaft zu stabilisieren, fordert die LAG Freiwilligendienste Mecklenburg-Vorpommern folgende Maßnahmen:
- Stärkung und Ausbau aller gesetzlich geregelten Freiwilligendienstformate (FSJ, FÖJ, BFD, IJFD)
- Deutliche Anhebung der Fördersätze auf mindestens 400 Euro (FSJ/FÖJ/BFD) sowie 700 Euro (IJFD)
- Schaffung einer rechtlichen Grundlage für eine bundesweite Taschengeldförderung
- Erweiterung der zuwendungsfähigen Ausgaben, insbesondere für Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlung, Alumni-Arbeit und Qualitätsentwicklung
- Stärkung und Weiterentwicklung der pädagogischen Begleitung zu einem ganzheitlichen Bildungs- und Coachingangebot
- Bundesweite Förderfähigkeit eines Deutschlandtickets für alle Freiwilligen
Langfristige Perspektive: Rechtsanspruch und Kultur der Freiwilligkeit
Über kurzfristige Maßnahmen hinaus braucht es eine langfristige Perspektive für eine stabile, chancengerechte und qualitativ hochwertige Ausgestaltung der Freiwilligendienste. Die LAG Freiwilligendienste Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Vision einer Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit bis 2030.
Zentrales Element dieser Perspektive ist die Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen Freiwilligendienst für alle interessierten jungen Menschen bis zum Alter von 26 Jahren. Der Rechtsanspruch bezieht sich auf die Möglichkeit zur Teilnahme und auf eine gesicherte Förderung – nicht auf einen bestimmten Platz oder eine konkrete Einsatzstelle.
Ein solcher Rechtsanspruch gewährleistet gleiche Teilhabechancen unabhängig vom sozialen oder finanziellen Hintergrund. Er stärkt individuelle Bildungs- und Orientierungswege und eröffnet jungen Menschen verlässliche Zugänge zu gesellschaftlicher Verantwortung, Mitwirkung und demokratischer Praxis.